29.09.2009 | OLG Koblenz Az. 2 U 204/09 (Beschluss)

Auslegung eines Testaments bei nicht mehr erfüllbarem Vermächtnis

Wenn ein Vermächtnis nicht mehr erfüllt werden kann, so kann sich aber aufgrund ergänzender Testamentsauslegung ein Wertersatzanspruch ergeben.

Der Erblasser hatte durch Testament unter anderem verfügt, dass einem Angehörigen ein Teil einer Immobilie als Vermächtnis zukommen sollte. Noch zu Lebzeiten veräußerte der Erblasser jedoch das Anwesen. Das Testament passte er daraufhin nicht mehr an.


Nach Ansicht des OLG Koblenz war durch Auslegung des Testaments zu klären, ob dem Angehörigen anstelle des veräußerten Gegenstands ein Wertersatzanspruch zusteht. Entscheidend war damit, welchen Willen der Erblasser gehabt hätte, wenn er die Veräußerung des  Anwesens bereits bei Testamentserrichtung bedacht hätte. Aufgrund eines Schriftstücks und Äußerungen Dritter ging das Gericht davon aus, dass der Erblasser mehrere Personen an seinem Nachlass teilhaben lassen wollte. Damit konnte der Motivationslage des Erblassers entnommen werden, dass dem Angehörigen ein erheblicher Vermögenswert zukommen sollte.


Anstelle eines Teils des Anwesens stand ihm damit ein Wertersatzanspruch in gleicher Höhe zu.

Siehe auch: AUSLEGUNG VERMÄCHTNIS

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