Ersatzerbeneinsetzung

Zwischen Testamentserrichtung und Todesfall können viele Jahre vergehen. Nicht selten versterben vorgesehene Erben selbst vor dem Todesfall und fallen daher aus der Erbfolge heraus. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. Damit das Testament nicht immer wieder ergänzt oder geändert werden muss, ist eine weitsichtige Gestaltung ratsam. Ein Instrument für diesen Zweck ist die Einsetzung von Ersatzerben.

 

Hat der Erblasser mehrere Erben auf den gesamten Nachlass eingesetzt, vergrößert sich bei Vorversterben eines Erben der Anteil der übrigen. Die Höhe der Anwachsung richtet sich dabei nach der quotenmäßigen Einsetzung der Erben.

 

Beispiel

Der Erblasser hat A zu einem Viertel, B zur Hälfte sowie C und D jeweils zu einem Achtel bedacht. Weitere Bestimmungen hat er nicht getroffen. B verstirbt vor dem Erbfall. Die Erbteile von A, C und D wachsen entsprechend ihrer Quote an. B hätte die Hälfte geerbt. Dieser Anteil wird nun an A, C und D verteilt: A erbt daher die Hälfte, C und D erben jeweils ein Viertel.

 

Hat der Erblasser nur einen Erben bestimmt, kommt es bei dessen Wegfall zur gesetzlichen Erbfolge. Der Testierende kann dies durch die Bestimmung eines Ersatzerbens verhindern. Bei Wegfall der Erstbedachten wird dann der Ersatzerbe berufen. Im Gegensatz zum Nacherben wird der Ersatzerbe aber nur berufen, wenn der vor ihm Bedachte überhaupt nicht Erbe geworden ist. Das ist eindeutig der Fall, wenn der Erbe vor dem Testierenden verstirbt: Als Toter kann er den Testierenden nicht mehr beerben. Folglich wird er zu keinem Zeitpunkt Erbe.

 

Ein Erbe kann auch aus anderen Gründen entfallen, so dass der Ersatzerbe zum Zug kommt: Der Erstbedachte kann die Erbschaft ausschlagen oder für erbunwürdig erklärt werden. Es besteht des Weiteren die Möglichkeit, dass die Erbeinsetzung nach dem Todesfall wirksam angefochten wird. Das Gesetz behandelt den Erstbedachten in diesen Fällen als wäre er von Beginn an nicht da gewesen.

 

Der als Ersatzerbe Bedachte ist nicht automatisch auch Nacherbe. Daher geht der Ersatzerbe leer aus, wenn der Erstbedachte doch nicht wegfällt. Umgekehrt gilt dies jedoch nicht: Ein Nacherbe ist in der Regel auch Ersatzerbe.

Siehe auch: ERSATZERBE ANWACHSUNG

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