Vor- und Nacherbschaft

In bestimmten Konstellationen kann es sinnvoll sein, den Nachlass in der zeitlichen Nutzung aufzuteilen. Zu diesem Zweck gibt es das Institut der Vor- bzw. Nacherbschaft. Der Erblasser kann eine Person als Vorerben einsetzen, der den Nachlass für eine bestimmte Zeit nutzen darf. Anschließend geht die Vermögenssubstanz an den Nacherben über. Der Erblasser wird dabei zweimal beerbt, d.h. der Nachlass wird auch mehrfach versteuert.

 

Beispiele

Der Erblasser bestimmt seine Ehefrau zur Vorerbin. Nach ihrem Tod soll sein einziger Sohn Nacherbe werden.

 

Der Erblasser bestimmt seine Ehefrau zur Vorerbin, seine vier Kinder zu gleichen Teilen als Nacherben. Die Nacherbfolge soll aber nur dann eintreten, wenn die Ehefrau nicht selbst in einer letztwilligen Verfügung die Nacherben, und nur diese, als ihre Erben einsetzt.

 

Der Vorerbe ist im Interesse des Nacherben in seiner Verfügungsmöglichkeit beschränkt. Verfügungen über Grundstücke, unentgeltliche Verfügungen sowie Zwangsverfügungen von Eigengläubigern des Vorerben sind in der Regel unwirksam, wenn sie den Nacherben benachteiligen. Außerdem kann der Nacherbe verschiedene Rechte gegen den Vorerben geltend machen, die der Kontrolle und Sicherung des Nachlasses dienen. Teilweise kann der Erblasser aber die Position des Vorerben stärken, indem er eine sog. „befreite Vorerbschaft“ anordnet. Geschützt wird der Nacherbe jedoch in jedem Fall durch das Institut der Mittelsurrogation: Danach gehört auch all das zur Erbschaft, was mit Mitteln aus dem Nachlass erworben wurde.

 

Beispiele

Ein Pkw aus dem Nachlass wird zerstört. Die Versicherung entschädigt den Vorerben mit einer Geldsumme i.H.v. 4.000 €. Die Versicherungsleistung dient als Ersatz für den zerstörten Pkw. Aus diesem Grund gehört die Summe fortan zum Nachlass.

 

Der Vorerbe aus dem vorherigen Beispiel kauft sich einen neuen Pkw. Dabei verwendet er die Versicherungssumme (4.000 €) und aus seinem eigenen Vermögen außerdem 2.000 €. Der neue Pkw wurde nur teilweise mit Mitteln aus dem Nachlass erworben. Er kann daher nur teilweise dem Nachlass zugerechnet werden. In diesem Fall zu zwei Dritteln.

 

Die Nacherbschaft kann sich als nützlich erweisen, ist aber in vielen Fällen auch mit unnötigem Aufwand verbunden. In der notariellen Gestaltungspraxis wird dieses Institut daher nur sehr zurückhaltend eingesetzt. Im Einzelfall gibt es auch andere Möglichkeiten, den Interessen des Erblassers gerecht zu werden. So kann dem Erstbedachten auch lediglich ein Nießbrauch am Nachlass eingeräumt werden, während der Endbedachte als Erbe eingesetzt wird.


Beispiel

Der Erblasser räumt seiner Lebensgefährtin einen lebenslangen Nießbrauch an dem gemeinsam bewohnten Einfamilienhaus ein. Zum Erbe beruft er seinen Sohn. Die Lebensgefährtin kann lebenslang das Haus nutzen, d.h. es bewohnen oder vermieten. Eigentümer des Hauses ist aber der Erbe, also der Sohn des Erblassers. Erst nach dem Tod der Lebensgefährtin kann er sein Eigentum unbeschränkt nutzen.


Denkbar ist auch ein sog. Herausgabevermächtnis. Dabei wird der Erstbedachte als Erbe eingesetzt und muss nur unter einer bestimmten Bedingung die angeordneten Nachlassgegenstände an den Endbedachten herausgeben.


Beispiel

Der Erblasser setzt seine Ehefrau als Alleinerbin ein. Im Falle einer zweiten Heirat muss sie das Haus an den gemeinsamen Sohn herausgeben.


Welcher Lösungsweg für den Einzelfall am besten geeignet ist, sollte durch die fachkundige Beratung eines Notars oder einer Notarin festgestellt werden.

Siehe auch: VORERBE NACHERBE

Glossar

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