15.06.2011

Wer erbt bei Patchwork-Familien?

In einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Postbank kommt es bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland zu Streit. Die rechtzeitige Nachlassplanung hilft, dies zu vermeiden.

In annähernd dreiviertel aller Fälle wurde als Grund für den Erbschaftsstreit genannt, dass sich einzelne Erben benachteiligt fühlten. Dies muss nicht die „böse Absicht“ des Erblassers gewesen sein. Denn hinterlässt dieser kein Testament, gilt die gesetzliche Erbfolge. Und die kann auch zu ungerechten Ergebnissen führen - gerade bei sog. Patchwork-Familien!

 

Im Ausgangspunkt gilt: Jeder hinterlässt einen oder mehrere Erben. Wer Erbe werden soll, kann durch Testament oder Erbvertrag geregelt werden. Anderenfalls gilt die gesetzliche Erbfolge. Das gesetzliche Erbrecht richtet sich nach dem Grad der Verwandtschaft: Vorrangig erben Kinder oder - wenn diese bereits verstorben sind - die Enkel. Sind keine Abkömmlinge vorhanden, erben Eltern oder Geschwister. Neben das Erbrecht der Verwandten tritt dabei stets noch das Erbrecht des überlebenden Ehegatten.


Ein häufiger Irrglauben ist, dass Ehegatten allein erben. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Fast immer erben neben dem Ehegatten noch Verwandte des Verstorbenen mit, selbst wenn keine Kinder vorhanden sind. Ehegatte und Verwandte bilden dann eine Erbengemeinschaft, eine häufige Ursache für Streitigkeiten.


Bei Patchwork-Familien ist das Konfliktpotential besonders hoch: Es erben nämlich immer nur die Kinder oder sonstigen Verwandten, die mit dem Verstorbenen biologisch verwandt sind oder von diesem adoptiert wurden. Stiefkinder und Schwiegereltern haben hingegen kein gesetzliches Erbrecht.


Die möglichen Auswirkungen stellt folgendes Beispiel dar: Herr und Frau Schmidt sind in zweiter Ehe ohne Ehevertrag verheiratet, haben jeweils zwei Kindern aus erster Ehe und ein Vermögen von je 100.000 Euro. Stirbt zuerst Herr Schmidt, erbt seine Ehefrau zusammen mit seinen leiblichen Kindern aus erster Ehe. Frau Schmidt erbt 50.000 Euro, die Kinder jeweils 25.000 Euro. Verstirbt sodann auch noch Frau Schmidt, geht ihr Vermögen ausschließlich auf ihre leiblichen Kinder über. Diese sind damit insgesamt besser gestellt als ihre Stiefgeschwister, da im Nachlass ihrer Mutter auch noch der Erbteil nach Herrn Schmidt vorhanden war. Die Kinder der Frau Schmidt erben im Beispielsfall je 75.000 Euro. Das gesetzliche Erbrecht bevorzugt also klar die Kinder des Längerlebenden.

 

Noch komplizierter wird die Situation, wenn der neue Ehegatte zum Alleinerben eingesetzt werden soll oder einzelne Kinder, z.B. aus erster Ehe, vollständig vom Erbe ausgeschlossen werden sollen. In jedem Fall steht leiblichen Kindern der Pflichtteilsanspruch in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils zu. Dabei ist auch zu beachten, dass eventuell der Ex-Mann bzw. die Ex-Frau zur Vertretung eines noch minderjährigen Kindes berufen ist und es somit zu einem besonders emotionalen Rechtsstreit zwischen dem alten und dem neuen Ehegatten des Verstorbenen kommen könnte.


Es empfiehlt sich daher unbedingt die genaue Familiensituation auszuloten und zusammen mit dem Notar eine maßgeschneiderte Lösung im Einzelfall zu erarbeiten. Ein Patentrezept, das für sämtliche Familienkonstellationen gilt, gibt es nicht - Vorsicht daher vor Mustertexten aus dem Internet oder aus Erbrechtsratgebern.

Siehe auch: ERBEINSETZUNG PFLICHTTEIL NOTAR FORMULARE ERBENGEMEINSCHAFT ERBFOLGE

Glossar

  • 05.03

    2019

    Jahresbericht 2018

    Das Jahr 2018 war für das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer ein erfolgreiches Jahr. Hervorzuheben ist die erfolgreiche Bewältigung der Notariatsreform in Baden-Württemberg, die eine Vielzahl von Anpassungen im Zentralen Testamentsregister erforderlich gemacht hat.

    Weiter

  • 11.04

    2018

    Jahresbericht 2017

    Das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurück, das durch einen reibungslosen elektronischen Registerbetrieb bei unvermindert hohen Registrierungszahlen und weiteren Verbesserungen der Benutzeroberfläche gekennzeichnet war.

    Weiter

  • 27.01

    2017

    Jahresbericht 2016

    Das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück, das durch einen reibungslosen elektronischen Registerbetrieb bei unvermindert hohen Registrierungszahlen aus der Testamentsverzeichnisüberführung und weiteren Verbesserungen der Benutzeroberfläche...

    Weiter

  • 28.11

    2016

    Abschluss Testamentsverzeichnisüberführung

    Wir freuen uns mitteilen zu können, dass die Testamentsverzeichnisüberführung planmäßig abgeschlossen werden konnte. Neben der Hauptkartei für Testamente beim Amtsgericht Schöneberg wurden die Testamentsverzeichnisse aus den 16 Bundesländern in das Zentrale Testamentsregister vollständig überführt.

    Weiter

  • 25.01

    2016

    Zentrales Testamentsregister - Jahresbericht 2015

    Das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück, das durch einen reibungslosen elektronischen Registerbetrieb bei unvermindert hohen Registrierungszahlen aus der Testamentsverzeichnisüberführung und weiteren Verbesserungen der Benutzeroberfläche...

    Weiter

  • 19.05

    2015

    Halbzeit in der Testamentsverzeichnisüberführung!

    Die Testamentsverzeichnisüberführung ist nun in jedem zweiten der 16 Bundesländer abgeschlossen. Bis Mitte Mai 2015 konnten neben der ehemaligen Hauptkartei für Testamente beim Amtsgericht Schöneberg in Berlin die Testamentsverzeichnisse der Standesämter in Bremen, Hamburg, Hessen,...

    Weiter

  • 13.01

    2015

    Zentrales Testamentsregister - Jahresbericht 2014

    Das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2014 zurück. Der elektronische Registerbetrieb verlief auch im abgelaufenen Kalenderjahr reibungslos.

    Weiter

  • 08.01

    2015

    Privilegierung des Betriebsvermögens bei der Erbschaftsteuer verfassungswidrig

    Mit Urteil vom 17. Dezember 2014 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Regelungen des Erbschaftsteuer‑ und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) zur Verschonung von Erbschaftsteuer beim Übergang betrieblichen Vermögens in Teilen verfassungswidrig sind.

    Weiter

  • 25.11

    2014

    Hessen als sechstes Bundesland vollständig ins Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer überführt

    Die Testamentsverzeichnisüberführung schreitet planmäßig voran! Bislang konnten neben der ehemaligen Hauptkartei für Testamente beim Amtsgericht Schöneberg in Berlin die Testamentsverzeichnisse der Bundesländer Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen...

    Weiter

  • 22.05

    2014

    Überführung des Hauptverzeichnisses für Testamente beim Amtsgericht Schöneberg abgeschlossen

    Die Testamentsverzeichnisüberführung hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Seit dem 30. April 2014 ist die Überführung des Hauptverzeichnisses für Testamente beim Amtsgericht Schöneberg in Berlin abgeschlossen.

    Weiter

Vorsorgeregister

Das Zentrale Vorsorgeregister (ZVR) ist das bundesweite Register für Vorsorge- vollmachten und Patientenverfügungen

Vorsorgeregister